Don Melchor Puente Alto, 2019

Hersteller:Viña Don Melchor
Rebsorten:92% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc, 2% Merlot, 1% Petit Verdot
Anbauregion:Valle del Maipo
Anbaugebiet:Puente Alto
Land:Chile
Jahrgang:2019
Ausbau:15 Monate in französischem Barrique (72% neu, 28% zweite Belegung)
Werte:A 14,8 % | RZ – g/l | S 3,35 g/l, 3,65 pH
Preis (EVP):~120 €
Flaschenbild des Viña Don Melchor, D.O. Puente Alto, Valle del Maipo, 2019 mit Weinglas

Altbekanntes zum Don Melchor Puente Alto

Der Ritterschlag

Er gilt als einer der ganz Großen seiner Zunft. Nicht nur unter den Weinen aus Chile, seiner Heimat. Auch auf der internationalen Bühne weiß er zu brillieren. Und das seit geraumer Zeit. Schon mit dem zweiten Jahrgang 1988 erreichte Don Melchor „als erste chilenische Marke einen Platz unter den 100 besten Weinen der Welt in der renommierten Weltrangliste des Wine Spectator“1, schwärmt Isabel Guilisasti, Vizepräsidentin der Sparte Fine Wines and Corporate Image bei Viña Concha y Toro, der Muttergesellschaft von Viña Don Melchor.

Der Viña Don Melchor, D.O. Puente Alto, Valle del Maipo, 2019 im Glas

Seitdem schaffte es der Wein als einer von nur Zweien gleich zehn mal in diese „Top 100“. Und gehört auch zu dem exklusiven Kreis von lediglich neun Weinen, die es mehr als drei mal in die „Top 10“ verschlug.2 Im Mai 2024 erfolgte dann der endgültige Ritterschlag. Platz 1 in eben jenem Ranking des amerikanisches Lifestyle-Magazins für den Viña Don Melchor, Puente Alto, Valle del Maipo, 2021. Die heutige Degustation bewegt sich also im Bereich der icon wines, so der englischsprachige Szenejargon. Ein Kultwein, der preislich ins Ultra-Premium-Segment einzuordnen ist.

Benotung des 2019er Don Melchor Puente Alto

Zwar hatte es der Viña Don Melchor Puente Alto, Valle del Maipo, 2019 nicht in die Auswahl des Wine Spectator geschafft. Die internationale Kritikergemeinde bewertet den Tropfen aber dennoch recht ordentlich. Der gemeinhin generöse James Suckling etwa gibt 98 Punkte. Der für den Wine Advocate eher zurückhaltend bewertende Luis Gutiérrez 93. Der für Vinous tätige argentinische Wein­journalist Joaquín Hidalgo 96 und Dominik Vombach vom Falstaff 98 Punkte. Innerhalb dieser range liegen auch weitere Bewertungen: Patricio Tapia, chilenischer Weinkritiker und Herausgeber des Guida Descorchados für Weine aus Südamerika, gibt 96 Punkte. Und Brasiliens führende Weinzeitschrift Revista Adega 94 Punkte, die von Jesica Vargas, Contributing Editor beim Wine Enthusiast Magazine bestätigt werden.

Verkostungsnotiz vom 4. Oktober 2025

Im Glas:

kräftiges Rubin mit opakem Kern; Farbtiefe: hoch, Viskosität: hoch


In der Nase:

sauber; Intensität: mittel+; Qualität: vielschichtig; Aromen: fruchtig: Cassis-Confit und Schwarzkirsche, krautig: Pfefferminze, balsamisch: Zedernholz und Kakao, würzig: dezent Sternanis und etwas Wacholderbeeren


Am Gaumen:

trocken; typische Cabernet-Aromen mit präsenter werdender krautig-vegetabilen Komponente; harmonisch, konsistent, feine Säure, sehr gut integrierter Alkohol und engmaschiges, samtiges Tannin in einer Quantität von hoch; Länge: hoch; druckvoll präsent mit ausreichender Frische.

Die Trauben für den Don Melchor Puente Alto stammen aus der namensgebenden Área Puente Alto, einem Bereich innerhalb der Subregión Valle del Maipo, die wiederum Teil der Región Vitívinicola Valle Central ist.3 Hier, am Fuße der Anden, stehen die Reb­stöcke an einem geschichtsträchtigen Ort.

An den Ufern des Maipo

Manuel Antonio Tocornal hatte Mitte des 19. Jahrhundert auf seinem Weingut Mariscal einen Weingarten mit französischen Sorten anlegen lassen. Damals noch ein idyllischer Landschaftsabschnitt am Nordufer des Maipo-Flusses, ist Puente Alto heute eine rund 560.000 Einwohner beheimatende Gemeinde am Stadtrand des Molochs Santiago.

Karte der Herkunftsbezeichnungen in der Metropolregion Santiago
Die Weinbaugebiete und -bereiche der Metropolregion Santiago
Portraits von Manuel Antonio Tocornal und Melchor de Santiago-Concha y Toro
links: Manuel Antonio Tocornal (* Santiago, 12. Juni 1817 – † Santiago, 15. August 1867),
rechts: Melchor de Santiago-Concha y Toro (* Santiago, 10. Oktober 1833 – † Santiago, 21. Juni 1892)

Tocornal, Rechtsanwalt und konservativer Politiker, muss daher ebenso als Pionier des modernen chileni­schen Weinbaus betrachtet werden wie der Geschäftsmann Melchor de Santiago-Concha y Toro. Den zog es nach Pirque, südlich des Maipo gelegen, keine vier Kilometer Luftlinie von Mariscal entfernt. 1883 gründete Don Melchor dort Viña Concha y Toro.

Das Mariscal-Weingut wurde 1942 von Alfonso Chadwick, Vater des heutigen Errazuriz-Eigentümers Eduardo Chadwick, aufgekauft. Große Teile des darin enthaltenen Tocornal-Weingartens wurden schließlich 1968 an Concha y Toro veräußert.4 In etwa zeitgleich mit der Schaffung der Marke Casillero del Diablo, über dessen Sauvignon blanc ich hier berichtet habe. Ein Geniestreich des damaligen CyT-Vorstandsvorsitzenden Eduardo Guilisasti Tagle. Gilt der Standort doch als eine der ersten Adressen für den Anbau von Cabernet Sauvignon – und zwar weltweit. Wenn es nach dem Master of Wine Alistar Cooper geht.5

Nachhilfestunden für den Don Melchor Puente Alto

Die Exzellenz des Terroirs in Puente Alto erkannte aber auch ein gewisser Émile Peynaud, Önologie-Professor an der Université de Bordeaux und Berater zahlreicher Châteaux des Bordelais. In den frühen 1980er Jahren setzte Eduardo Guilisasti Tagle seinen Sohn Rafael und den damaligen CyT-Winemaker Götz von Gersdorff, in den Flieger nach Bordeaux. Ihre Mission: Einholung einer Expertise zur Herstellung eines chilenischen Weines von Weltformat. Sie sollten dem Grandseigneur der Weinverkostung den Cabernet Sauvignon aus Puente Alto vorstellen. Angetan von den Weinen, holte Peynaud den renommierten Wine Consultant Jacques Boissenot, der unter anderem mit Latour, Margaux, Lafite oder Mouton arbeitete, an Bord. Die Beziehung mit dessen Sohn Eric hält bis heute.

1987




Erster Jahrgang des Don Melchor.
Zudem: Erstmals wird in der 128-
jährigen Geschichte von CyT ein
Wein in französischem Barrique
ausgebaut
1990



Premiere: Vergärung in temperatur-
kontrollierten Edelstahltanks, nach-
dem die ersten drei Jahrgänge in
Fässern aus Raulí-Holz fermentierten
1992


Götz von Gersdorff übergibt das
Kommando als Winemaker an
Pablo Morandé
1993


Enrique Tirado stößt als Verant-
wortlicher für die Premium-Marken
zu CyT
1994

Erneute Premiere: Der Don Melchor
wird erstmals nicht gefiltert
1995


Mit 3% Merlot wird erstmals eine
zweite Rebsorte in die Assemblage
einbezogen
1997

Tirado löst Morandé als Chief-Winemaker
des Don Melchor ab
1999



Verschnitt-Experimente mit Merlot
sind nicht überzeugend. Erstmals
zieht Cabernet Franc mit 7 % in den
Don Melchor ein
2000

Beginn der Terroir-Studien in
Zusammenarbeit mit INA P-G
2001

Höhepunkt des Holzeinsatzes, mit
Jg. 2002 wird dieser reduziert
2006






für den 2006er Jahrgang gibt es
mit 95 Punkten die bis dato
höchste Parker-Bewertung von
Jay S Miller (für Jg. 2018 eben-
falls 95 Punkte von Luis Gutiérrez
und für Jg. 2021 sogar 95+ von
Matthew Luczy)
2011



Tirado schreibt sich für zwei
Semester am Institut des Sciences
de la Vigne et du Vin der Université
de Bordeaux ein
2019




Viña Don Melchor wird unabhäng-
ige Geschäftseinheit unter dem
Dach von Concha y Toro, um als
Luxus-Brand positioniert werden
zu können

„Wir könnten die Assemblage auch alleine machen, aber ich denke, es ist gut, eine externe Perspektive zu haben, jemanden, der einen in Frage stellt, jemanden, der eine distanzierte und erfahrene Sicht hat.“6 Erklärt Enrique Tirado, seit 1997 Head-Winemaker für Don Melchor. Und so werden Jahr für Jahr rund 220 Partien des gerade vergorenen Weines, 151 aus Vorlaufmost und rund 70 aus Seih- bzw. Pressmost gewonnene,7 ins Dorf Lamarque im Département Gironde gesendet, um die finale Assemblage des Don Melchor Puente Alto festzuzurren. „Da sitzen wir dann eine Woche lang von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr abends und basteln an Verschnitten, um das Konzept für jedes Jahr festzulegen.“8

Familienzuwachs

Nicht alle der aus den 151 Cabernet Sauvignon- und einer Hand voll Cabernet Franc-, Petit Verdot- und Merlot-Blöcken des Puente Alto-Weingartens stam­menden und separat vinifizierten Trauben schaffen es in die endgültige Cuvée. Um die 60 bis 65 Prozent, heißt es.9 Der Rest wird deklassiert und fließt in Weine unterhalb des Viña Don Melchor, D.O. Puente Alto ein, etwa in die Marques Casa Concha Heritage-Linie von CyT.10 Mit dem Jahrgang 2022 allerdings bekamen die Weine der Tocornal-Familie Zuwachs. Tirado entschloss sich dazu, mit dem Viña Don Melchor DM/01 erstmals einen Parzellenwein abzufüllen. In limitierter Auflage von nur 500 Flaschen. Kein Zweitwein, wie er versichert, sondern mit der Intention, „den Verbraucher näher an das Parzellenkonzept von Don Melchor Puente Alto heranzuführen.“11

Flaschenetikett vorne des Viña Don Melchor, D.O. Puente Alto, 2019
Das Etikett des Don Melchor Puente Alto mutet eher traditionell und konservativ an. Die altmodische Radierung des Stammhauses in Pirque soll ein Gefühl von Geschichte und Altehrwürdigkeit vermitteln, der goldene Metallstempel Qualität suggerieren. Der haptisch hervorgehobene Don Melchor-Schriftzug weckt Erwartungen an einen hochwertigen Wein. Das noble Etikett versichert dem Käufer exklusiven Genuss und das erhoffte Maß an sozialer Distinktion. Der Hersteller Concha y Toro ist jetzt, anders als bei Releases früherer Jahrgänge, in kaum lesbarer Handschrift dezent abgebildet. Ein deutlicher Hinweis auf die Ambitionen als eigenständige Luxusmarke.12

Paris hilft

Apropos „Parzellenkonzept“. Mit seinem Dienstantritt vor knapp dreißig Jahren begann der Önologie-Absolvent der Pontificia Universidad Católica de Chile mit der Erforschung des Weinbergs. In Kooperation mit dem renommierten Institut national agro­nomique Paris-Grignon (INA P-G) wurde zwischen 2000 und 2002 die erste Terroir-Studie in Chile durchgeführt.13

„Jeder Winkel dieses Weinbergs hat seine eigene Identität, und seine Bewirtschaftung kann nicht einheitlich sein. So entdeckten wir, dass der Weinberg nicht als ein zusammenhängendes Ganzes gesehen werden kann, sondern als ein Mosaik einzigartiger Ausdrucks­formen. Das hat uns dazu veranlasst, den Weinberg in verschiedene Parzellen aufzuteilen, damit wir ihn bearbeiten und jede Reihe, jeden Rebstock und jeden Bodenunterschied als etwas Einzigartiges begreifen können“14, heißt es auf der homepage von Don Melchor.

Parzellen- und Bockstruktur des don Melchor-Weingartens in Puento Alto
Der Don Melchor Puente Alto-Weingarten mit Parzellen, Unterparzellen / Feldern und Blöcken. Der Weinberg umfasst 127 Hektar und besteht zu 90 % aus Cabernet Sauvignon, 7,1 % Cabernet Franc, 1,9 % Merlot und 1 % Petit Verdot. (Hintergrundkarte: Google maps © 2025 Airbus,CNES / Airbus,Maxar Technologies)

Aromatische Facetten

Parzelle 1 etwa, die älteste im Tocornal-Weinberg des Gutes, 1979 mit per Selection massale aus Prä-Phylloxera-Reben vermehrten Direktträgern bepflanzt,15 „zeichnet sich durch intensive, lebendige und komplexe Aromen von roten Früchten aus. Der Auftakt ist süß, mit weichen Tanninen, einer seidigen Textur und einem langen, eleganten Abgang.“16,17 Für Weine aus Parzelle 2 zählt Viña Don Melchor Puente Alto hingegen schwarze Früchte, Gewürze sowie gelegentlich Mentholnoten, und sogar (wie praktisch) die Sekundär- und Tertiäraromen von Schokolade und Tabak auf. „Der hohe Tanningehalt sorgt für eine vollmundige Textur am Gaumen.“18 Ein letztes Beispiel: Weine der Parzelle 5 drücken sich fruchtig aus, „mit Noten von Gewürzen und Graphit. Der Auftakt ist weich und entwickelt sich zu einem frischen und ausgewogenen Aroma, mit einem Geflecht aus zarten Tanninen, die sich nahtlos integrieren.“19

Ungehörtes zum Don Melchor Puente Alto

Der Puente Alto-Weinberg von Don Melchor. Im Hintergrund die Ausläufer der Anden.
Der Don Melchor-Weinberg; CC BY-SA 3.0

Abgelagertes

Bei diesem Facettenreichtum lohnt es sich doch, den Weinberg hier genauer unter die Lupe zu nehmen. Der liegt in den Andenausläufern, etwa 650 Meter über dem Meeresspiegel, auf der dritten Schwemmlandterrasse des Maipo-Flusses. Das Ausgangsmaterial der Bodenbildung, holozäne und pleistozäne Lockergesteine laut geologischer Karte des Gebiets Talagante – San Francisco de Mostazal, besteht daher hauptsächlich aus fluvialen und fluvioglazialen Sedimen­ten sowie aus Gestein und Asche von Vulkanausbrüchen, äolisch transportiert und als lakustrische Ablagerungen mit dem Alluvium vermischt.20

Auf diesen älteren Terrassen ist die Verwitterung fortgeschritten und es hat sich ein differenziertes Bodenprofil mit einer typisch andesi­tischen Zusammensatzung des mineralischen Substrats entwickeln können. Freilich mit erkennbarer Handschrift der anthropogenen Nutzung durch die jahrzehntelang währende weinbauliche Bewirtschaftung.21 Ablesbar etwa am hohen Anteil organischen Materials im Oberboden. Der ist dem Einsatz von Kompost, Gründüngung und Bodendeckern geschuldet,22 was den Nährstoffkreislauf, insbesondere die Verfügbarkeit von Stickstoff, beeinflusst. Aber auch der im Rahmen einer Bodenanalyse in nur einigen wenigen Parzellen gefundene Calzit (CaCO3, Kalk) könnte durch ein landwirtschaftliches Management zur Alkalisierung des Bodens künstlich eingespeist worden sein.23

Zersetztes

Viele dieser Bodeneneigenschaften des viña Don Melchor Puente Alto wurden jüngst am Departamento de Geología der Univer­sidad de Chile untersucht. Im Zentrum dieser Studie standen so wichtige und sich gegenseitig beein­flussende Aspekte wie die Boden­­granulometrie und -textur sowie die Lithologie und Mineralogie des Substrats.

Ihre Einflüsse auf die für die Phy­siologie der Weinrebe so wesentlichen Parameter wie den pH-Wert, den Wasser­haushalt, die Mineralstoff­­­zusam­men­setzung oder auch die Kationen­austausch­­kapazität wurden thematisiert. So konnten die Besonderheit und die Typizität des Weingartens heraus­gearbeitet werden. Hier sollen nur einige wenige Aspekte angesprochen werden.24

Beispielhaftes Bodenprofil des Don Melchor-Weingartens in Puetne Alto
Idealtypischer Aufbau der Böden im Don Melchor Weingarten; (OM = organisches Material, KAK = Kationenaustauschkapazität); Datenquelle: Rodríguez Bravo, Manuel Ignacio (2024)

Gespeichertes

Puente Alto verfügt über ein semiarides Mittelmeerklima, Csb gemäß Köppen-Geiger-Klassifikation. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge von 335 mm (in 2019 aber lediglich 161,6 mm) konzentriert sich hauptsächlich auf die Winter- und Frühjahrs­monate. Bei weitem nicht ausreichend für den Qualitäts­weinbau. Schon seit 2003 wird dieser Mangel daher durch ein Tropf­bewässerungs­system ausgeglichen. Dabei wirkt der relativ hohe Anteil organischer Materialien (s.o.) aber auch von Schluffen und Tonen in den für die Rebwurzel wichtigsten A- und B-Horizonten supplementär.

Die Bodenarten des Don Melchor-Weingartens. Partikelgrößenverteilung einzelner Bodenproben nach Horizonten.
Bodendreieck des Don Melchor Weingartens – Partikelgrößenverteilung nach Bodenschichten und Bodenhorizonten gemäß der 1993er Auflage des Soil Survey Manual des United States Department of Agriculture (USDA); Datenquelle: Rodríguez Bravo, Manuel Ignacio (2024).

Besondere Relevanz als Wasserspeicher kommt dabei dem Saponit zu, einem eher selten vorkommenden Dreischicht-Silikat der Smektit­gruppe. Denn bei Eintritt von Wasser­molekülen quellen diese, aber auch andere expansiven Tone auf und bewirken eine langsamere Wasser­ableitung in tiefere Boden­schichten. Komplementär dazu führt der höhere Sand- und Kiesel­anteil im Unterboden zu einer verbesserten Drainage und verhindert Staunässe.

Und Losgelassenes

Dieses Feuchtigkeitsregime unterstützt zudem sowohl die chemische Verwitterung im Ober- als auch die physikalische im Unterboden sowie im Ausgangsgestein. Im zweiten, dem Akkumulations­horizont entsteht so ein hoher Anteil an Tonteilchen mit negativer Überschuss­ladung. Diese ermöglicht es, positiv gelandene Nährstoffe zu binden und in einer für die Pflanzen verfügbaren Form zu speichern.

Im Weinberg Don Melchor Puente Alto fällt dabei der hohe Anteil der besonders bindungsfähigen Dreischicht-Tonmineralen auf. Die bewirken eine hinreichende Adsorptions- sowie Austauschkapazität von Nährstoffen wie Calcium, Magnesium, Kalium oder Natrium. Insbesondere die ubiquitären Illite verhindern hier ein Ladungsdefizit mit entsprechender negativer Auswirkung auf die konstatierte relative Fruchtbarkeit der hiesigen Böden. Die vergleichsweise stark alkalischen, teilweise bis an die Genze des agronomisch Machbar gehenden, pH-Werte fördern diesen Umstand.

Tonangebender Ton im Don Melchor Puente Alto

Wohlgemerkt – Ergebnisse von Bodenanalysen wie den hier auszugsweise dargestellten dienen dem besseren Verständnis des Terroir eines Weingartens. Sie lassen Empfehlungen für eine Behandlung des Bodens im Besonderen oder eine parzellenspezifische Bewirtschaftung der Weinreben im Allgemeinen zu. Organoleptische Charakteristika der Weine einer bestimmten Parzelle, wie auf der homepage von Don Melchor beschrieben, lassen sich dadurch zunächst einmal nicht ableiten. Im Gegenteil: Abgesehen von einigen Details wurden in der Studie des geologischen Instituts der Santiago-Universität „keine wesentlichen mineralogischen Unterschiede festgestellt, sodass sie kein wesentliches Kriterium zur Unterscheidung zwischen Parzellen und Weinbergen darstellen.“25

Oha! Lassen sich Bodeneigenschaften doch nicht so ohne weiteres in Weinaromen übersetzen? Hilfe naht. In Gestalt des chilenischen Terroir­forschers Pedro Parra. Der verfügt über einen Masterabschluss in Präzisionslandwirtschaft von eben jenem Institut national agronomique Paris-Grignon, wo er auch zum Thema Terroir promovierte. Just zu dem Zeitpunkt, als in Puente Alto auch die Weinbergs­studie mit Unterstützung dieser Forschungseinrichtung durchgeführt wurde. „Was ich gelernt habe,“ so führt Parra aus, „ist, dass sich der Ton mit dem Kies vermischt und dem Cabernet Komplexität verleiht. Wenn es keinen Ton gibt, ist der Wein gut, aber einfacher. Wenn Lehm in Böden vorhanden ist, die stärker zersetzt sind, wie die der alten Terrassen, neigt der Wein dazu, länger am Gaumen zu sein und mehr Mineralität zu bieten.“26

  1. Zitiert nach: Arabella Mileham (2024):” Chile’s Don Melchor celebrates milestone with global roadshow”; in: the drink business, 08 July 2024; Url: www.thedrinksbusiness.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  2. Víctor Manuel Vargas Silva (2025): “Es la demostración de que en Chile podemos hacer grandes vinos. Charla con Enrique Tirado, enólogo de Don Melchor: el mejor vino del mundo en el 2024, según ‘The Wine Spectator’.”; in: El Tiempo, 13.07.2025; URL: www.eltiempo.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  3. Das chilenische Recht kennt ein vierstufiges Herkunftssystem (Zonificación Vitícola oder denominación de origen): Die Región Vitívinicola, Weinbaugebiete, als generische Einheit, gefolgt von den Subregiònes, Untergebieten, den Zonas, Zonen, und schließlich den Áreas, Bereichen, als kleinste Einheit, wobei nicht jede Weinregion stringent durchdekliniert ist. Das Valle del Maipo als Untergebiet kennt keine Zonen, dafür aber 13 Bereiche. Vgl.: Ministerio de Agricultura: Decreto 464 ,Establece Zonificación Vitícola y fija Normas para su Utilización, Última Versión 14/05/2025; URL: normativa.sag.gob.cl / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  4. Heute werden drei Weine aus Tocornal hergestellt: Der Viñedo Chadwick, aus einer 15 ha großen Parzelle, die die Familie Chadwick nicht an Concha y Toro verkauft hat, der Don Melchor sowie der Almaviva, Produkt eines Joint Ventures zwischen CyT und Baron Philippe de Rothschild. Vgl.: Patricio Tapia (2011): “Almaviva and Don Melchor 1987-2007”; World Of Fine Wine, December 7, 2011; URL: worldoffinewine.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  5. Alistar Cooper (o.A.): „Don Melchor“; in: Latin American Wine Guide; URL: latinamericanwineguide.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  6. Víctor Manuel Vargas Silva (2025), a.a.O. ↩︎
  7. Vgl.: Arabella Mileham (2025): “Viña Don Melchor launches single parcel series to ‘complement’ its iconic Chilean Cabernet”; in: the drinks business, 18 August 2025; URL: www.thedrinksbusiness.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  8. Ebd. ↩︎
  9. Vgl.: Kenny Leong (2018): “How Chilean wine Don Melchor rose against the odds to become a world-class wine”; in: The Peak, 27 Mar 2018; URL: www.thepeakmagazine.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  10. Vgl.: Arabella Mileham (2025), a.a.O. ↩︎
  11. Ebd. ↩︎
  12. Siehe dazu etwa: Roger Dooley (2025): “How This Company Turned A Superior Wine Into A Stronger Brand”; in: Forbes, Feb 06, 2025; URL: www.forbes.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  13. Vgl.: VCT Finland (2025): „Don Melchor“; URL: vctfinland.com / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  14. Viña Don Melchor (2025). „Viña Don Melchor presenta la primera edición de su nueva serie «Las Parcelas»: DM/01 cosecha 2022“; URL: donmelchor.com Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  15. Ebd.; Die Cabernet Sauvignon-Reben dieser Parzelle lieferten dann wiederum per Feldselektion das Material für die anderen. ↩︎
  16. Homepage Viña Don Melchor; URL: donmelchor.com Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  17. Viña Don Melchor (2025), a.a.O.; Hauptlieferant der Trauben für den Viña Don Melchor DM/01 D.O. Puente Alto 2022, ist Parzelle 1 aber „nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der endgültigen Assemblage von Don Melchor.“ ebd. ↩︎
  18. Ebd. ↩︎
  19. Ebd. ↩︎
  20. Ausführlich dazu: Rodríguez Bravo, Manuel Ignacio (2024): “Geología y mineralogía del Terroir en viña Don Melchor y su entorno local, Puente Alto, Región Metropolitana”; URL: repositorio.uchile.cl / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  21. Ebd. ↩︎
  22. Vgl.: Jill Ettinger (2025): “Inside Don Melchor’s Pursuit of the Perfect Wine: ‘An Unprecedented Approach’”; in: Ethos, August 24, 2025; URL: the-ethos.co / Zugriff: 12.10.2025 ↩︎
  23. Rodríguez Bravo, Manuel Ignacio (2024), a.a.O. ↩︎
  24. Die nachfolgende Ausführungen basieren auf Rodríguez Bravo, Manuel Ignacio (2024), a.a.O. ↩︎
  25. Ebd. ↩︎
  26. Zitiert nach: Patricio Tapia (2011): “Almaviva and Don Melchor 1987-2007”; World Of Fine Wine, December 7, 2011; URL: worldoffinewine.com / Zugriff: 12.10.225 ↩︎